Geschichte
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1958: Nur fünf Jahre nach den ersten Laborversuchen startete im Bayerwerk Uerdingen die industrielle Herstellung von Makrolon®. Das Produkt war transparent und zeigte – mit den Worten der damaligen Werbung - eine “edel schimmernde Goldtönung”. Wegen seiner ausgezeichneten Isolierwirkung wurde es vorwiegend in der Elektroindustrie eingesetzt, beispielsweise für durchsichtige Sicherungskastenabdeckungen.
1963: Makrolon® war als bruchfestes Küchen- und Campinggeschirr “in aller Munde”. Auf der Düsseldorfer Kunststoffmesse begeisterten leichte Teller, Tassen, Schüsseln und Schälchen aus dem jungen Kunststoff die Besucher. In einer umfassenden Marktuntersuchung des Frankfurter DIVO-Instituts gaben 88 Prozent der Befragten an, dass Kunststoffe aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken seien und dass es immer wieder neue und immer bessere Artikel aus Kunststoff zu kaufen gäbe. Die Studie bestätigte damit die Beobachtung, dass die Menschen Kunststoffe zunehmend nicht mehr als billigen, aus der Not geborenen Ersatz ansahen.
1967: Makrolon® kam inzwischen auch in folgenden Produkten zum Einsatz: Gehäuse für elektrische Messgeräte, Mobiltelefone, Kraftstromstecker, Schalttafeln, Autoheckleuchten, Kantinentabletts, Thermoskannen, Teesiebe, Föhn- und Fernglasgehäuse, Melkkannen, Filmkassetten, Schaltrelais, Angelrutenwickler, Ampelgehäuse und -linsen, Lockenwicklerheizgeräte sowie Schokoladenformen für die Fabrikation von Süßigkeiten.
1971: Steg- und Massivplatten aus Makrolon® sind hochbruchfest und viel leichter als Glasplatten. Kein Wunder, dass sie nach ihrer Markteinführung als Scheiben weltweit Gewächshäuser und Wintergärten eroberten. Der Bayer-Kunststoff wurde auch zum idealen Material für elegante Dachkonstruktionen. Sein Siegeszug in der Baubranche war nur möglich, weil es den Chemikern inzwischen gelungen war, dem Werkstoff die cognacfarbene Tönung gleichsam auszutreiben – “glasklar” sorgte er für lichtdurchflutete Räume. Bis heute ist die Bauindustrie einer der größten Abnehmer von Makrolon®. Jüngstes prominentes Einsatzbeispiel für Platten aus dem Polycarbonat ist das neue RheinEnergie Stadion, mit dem sich Köln für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 rüstet.
1976: Bayer beginnt, Mischungen von Makrolon® mit anderen Kunststoffen zu vermarkten. Mit ihren maßgeschneiderten Eigenschaften etablierten sich diese Hochleistungsmischungen, auch Blends genannt, seitdem als Gehäuse für Bürogeräte und Computer sowie im Auto, wo sie beispielsweise für Instrumententafeln oder Mittelkonsolen verwendet werden.
Anfang der 80er: Makrolon® kommt zunehmend in Oxygenatoren zum Einsatz, die bei Bypass-Operationen oder beim Einbau künstlicher Herzklappen die Funktion von Herz und Lunge übernehmen. In Blutreservoiren und Blutfiltern fand es ebenfalls Verwendung. Gründe waren vor allem die glasklare Transparenz, die die schnelle Kontrolle des Blutflusses erlaubt, und die Bruchfestigkeit. Diese Stärken prädestinierten es auch für Dialysatoren in der Nierenheilkunde. Makrolon® trug entscheidend mit dazu bei, dass die Dialyse zu einem für den Patienten einfachen und alltagstauglichen Verfahren herangereift ist. Auch sonst ist Makrolon® in der Medizintechnik breit vertreten – so etwa in Hähnen von Infusions- oder Zentrifugensystemen. Jüngste Entwicklungen, in denen Makrolon® eingesetzt wird, sind zum Beispiel Inhaliergeräte mit speziellen Dosiertechniken und nadelfreie Spritzen, mit denen das Medikament ohne Einstich unter die Haut gebracht wird.
1982: Das Geburtsjahr der Audio-CD: PolyGram stellte am 17. August die erste CD mit Musik aus dem Klassikbereich weltweit großserienmäßig her: Claudio Arrau interpretierte auf dem Klavier verschiedene Walzer von Frederic Chopin. Die erste CD mit Popmusik vom selben Hersteller war das Album “The Visitors” der Musikgruppe ABBA.
Gemeinsam mit Philips und PolyGram entwickelte Bayer die Technologie für Compact Discs. Ein speziell zugeschnittener Makrolon®-Typ war der Ausgangs-Kunststoff, der bis heute – inzwischen mehrmals modifiziert – das Basismaterial von Bayer MaterialScience für alle optischen Speichermedien ist.
1992: Auch in Europa verdrängten transparente Kunststoffe fast vollständig das Glas in Autoscheinwerfern – eine Entwicklung, die in den USA und Japan schon in den achtziger Jahren begonnen hatte. Makrolon® verdankt seinen Einsatz vor allem seinem geringen Gewicht sowie seiner Schlagfestigkeit und eröffnete den Automobilherstellern große Gestaltungsfreiheit. Heutige Scheinwerfer, die sich harmonisch in komplex geformte Karosserien einfügen, ließen sich aus Glas oft gar nicht herstellen.
Premiere feierte in Europa im gleichen Jahr auch die Fünf-Gallonen Mehrweg-Wasserflasche aus Polycarbonat, in den Vereinigten Staaten war sie schon lange gang und gäbe. Makrolon® bewährt sich hier vor allem wegen seiner Robustheit. Mehr als 50 Umläufe überstehen die 0,8 Kilogramm leichten Flaschen. Allein 2002 wurden rund 0,5 Milliarden Liter Trinkwasser in neue Flaschen aus Makrolon® verpackt. Das entspricht der Wassermenge, die der Rhein in rund 23 Minuten in den Bodensee transportiert.
1996: Die CD bekam eine starke Schwester: die Digitale Versatile Disk, kurz DVD. Auf den ersten Blick kaum von der CD zu unterscheiden, ist ihr Speichervermögen mit 4,7 Gigabyte mehr als siebenmal so groß. Das entspricht der Datenmenge eines 135 Minuten langen Spielfilms – nicht umsonst war die Filmindustrie treibende Kraft bei der DVD-Entwicklung. Weltweit besteht heute rund ein Drittel aller optischen Datenträger – zu denen auch CD-Rs (einmal beschreibbar) und CD-RWs (mehrfach beschreibbar) zählen – aus Makrolon®. In Europa ist Bayer MaterialScience mit seinem Polycarbonat bei diesen Anwendungen Marktführer.
2000: Bayer begann, die ersten Co-branding Verträge zu schließen. Danach kennzeichnen Partnerunternehmen, die Makrolon® verarbeiten, europaweit ihre Produkte mit dem Logo “Made of Makrolon®”. Damit stellt Bayer MaterialScience die hervorragende Qualität des Kunststoffs heraus und baut Makrolon® auch beim Endverbraucher zu einer bekannten Marke auf.
2003: Ewig junges Makrolon®: Vor 50 Jahren erfunden, ist der Kunststoff von Bayer MaterialScience ein Material mit Zukunft. Die einzigartige Kombination günstiger Eigenschaften lässt es ständig neue Einsatzgebiete erschließen. Weil die Eigenschaften weitgehend steuerbar sind, wird Makrolon® auch zu den Produkten von morgen passen. Deshalb ist Bayer MaterialScience hoffnungsvoll: Der Unternehmensbereich der Bayer AG will im Jahr 2005 allein in Europa jede Minute rund 1000 Kilogramm von dem High-tech Kunststoff produzieren und verkaufen.